Ich bin ein Optimist. Meine Überzeugung ist es, dass wir die großen Herausforderungen unserer Zeit meistern können und werden. Auf allen Systemebenen besteht das Potenzial, einen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung zu leisten: In Familien, im Bildungssystem, in Unternehmen und auch im globalen Verbund. Wir haben das Wissen und die Fähigkeiten, eine bessere und gerechtere Welt zu gestalten.

Demgegenüber steht die aktuell massive Überhitzung. Was meine ich damit? Wir lassen uns zunehmend treiben, unter Druck setzen und in destruktive mentale Zustände versetzen. Dadurch entsteht eine Spirale der Angst, Unsicherheit, Überforderung und gegenseitigen Entfremdung.

Speziell Menschen mit Führungsverantwortung in Organisationen haben diesbezüglich eine Schlüsselrolle. Denn auf sie wird geschaut – sie können und müssen der Überhitzung entgegen wirken. Kennen Sie Führungskräfte, die mehrheitlich ruhig, besonnen, kompetent und souverän agieren? Und kennen Sie Führungskräfte, die tendenziell hektisch, unorganisiert und selbstherrlich agieren sowie kaum Zeit für Austausch haben? Eben.

In Zeiten zunehmender Dynamik breiten sich Überhitzungstendenzen vor allem in den Führungskreisen und -etagen von Unternehmen aus. Genau dort, wo sie den größten Schaden anrichten können.

Das halte ich für ein schwerwiegendes Problem!

Souveräne Führung

Aus verschiedenen Konzepten habe ich drei zentrale Aufgaben und Talente abgeleitet, die sehr gute von weniger guten Führungskräften unterscheiden.

  • Beobachten: Gute Führungskräfte sind gute Beobachter ihrer Organisation und des jeweiligen Marktumfeldes. Vor allem sind sie in der Lage, ihre spontanen Bewertungen zu unterdrücken – um länger, differenzierter und genauer zu analysieren und folglich besser zu verstehen.
  • Aufmerksamkeit fokussieren: Gute Führungskräfte fokussieren die Aufmerksamkeit der Organisationsmitglieder durch bewusste und dosierte Kommunikation – auf einen gemeinsamen Unternehmenszweck, zentrale Strategien, Prioritäten etc.
  • Entscheidungen treffen: Gute Führungskräfte treffen Entscheidungen unter Unsicherheit – wenn es sein muss auch schnell und mutig. Sie delegieren alle Entscheidungen an das System, die sinnvollerweise dort getroffen werden, wo die meiste Information und Kompetenz zum jeweiligen Thema vorhanden ist.

Führungskräfte müssen sich ihrer Funktion im System bewusst sein, um diese professionell ausüben zu können. Leider ist dies in der Praxis nur selten der Fall. Die besten Fachexpert/innen werden zu Führungskräften befördert – jedoch nur selten haben sie sich wirklich damit beschäftigt, welche Bedeutung ihre Funktion für das Funktionieren und die Überlebensfähigkeit von Organisationen hat – in Zeiten zunehmender Unsicherheit noch umso mehr.

5 Strategien wider der Überhitzung

Wir brauchen gute, verantwortungsvolle Führung – in allen Teilsystemen von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Wo gilt es anzusetzen?

1) Zeit: Zentrale Bedeutung hat unser Umgang mit Zeit. Wir glauben häufig, Opfer unserer äußeren Umstände zu sein. Dem ist aber in den meisten Fällen nicht so. Wir können fast immer entscheiden, wie die Zeit, die uns zur Verfügung steht, nutzen wollen. Die Krux ist: Wir müssen bereit sein, die Konsequenzen unserer Entscheidungen zu tragen.

2) Denken: Wir haben in der fortschreitenden Beschleunigung verlernt, in Ruhe und vertieft über Dinge nachzudenken. In einer vernetzten Welt sollten wir noch stärker fundierte Daten, Fakten, Theorien und Wissen in unser Denken miteinbeziehen.

3) Widersprüche: Wir wurden in einer Zeit sozialisiert, in der uns die meisten Dinge klar und eindeutig erschienen. Entscheidungen wurden sachlich und lösungsorientiert getroffen. In einer zunehmend komplexen Welt treten immer stärkere Widersprüche und Polaritäten auf. Wir müssen lernen, gut zu differenzieren und Unterschiede für den Fortschritt zu nutzen.

4) Dialog: Es braucht vor allem auch Raum und Zeit für gute Gespräche. Im Fokus sollten die großen Probleme und Fragestellungen unserer Zeit stehen.

5) Jetzt: Leben findet im Hier und Jetzt statt – niemals in der Vergangenheit und auch nicht in der Zukunft. Wir müssen jetzt denken, jetzt handeln, jetzt entscheiden. Diese Achtsamkeit, im Moment zu sein und zu leben, braucht Übung und Routine. Sie ist aber wohl die wichtigste Fähigkeit in einer überhitzten Zeit.

MAKE – Denkraum für neue Führung

Die beschriebene Situation hat uns – Chris Uhl und mich – motiviert, Denkräume für Führungskräfte zu organisieren. Hierzu laden wir Führungskräfte ein, die viel Verantwortung übernehmen und tragen. Gemeinsam mit inspirierenden Impulsgeber/innen wollen wir gründlich über Organisation, Führung und Zusammenarbeit in einer zunehmend dynamischen Welt nachdenken.

Am 9.3. findet die erste Denkwerkstatt mit Dr. Gerhard Wohland und Ralf Hildebrandt statt. Die beiden sind Top-Experten in Sachen Systemtheorie und moderner Organisationsentwicklung – und geniale Vor- und Nachdenker 😉

Ihr Stefan Hagen

 

 

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