Jahresrückblick 2017 (4): Co-creative Sprints

Systemische Organisationsberatung verfolgt ein zentrales Ziel, nämlich Lern- und Entwicklungsprozesse zu initiieren und zu begleiten, um soziale Systeme (= Organisationen) überlebensfähiger, erfolgreicher und effizienter zu machen (vgl. Königswieser/Hillebrand 2004). Um dies zu erreichen, muss Beratung vor allem effektive Prozesse und Kontexte gestalten.

Wir haben uns in den letzten Jahren intensiv mit der Frage der Effektivität und Wirksamkeit unserer Beratung beschäftigt. Aspekte waren u.a.:

  • Wie können wir in möglichst kurzer Zeit relevante und dauerhafte und Ergebnisse erzielen?
  • Wie können wir das vorhandene Wissen und die verschiedenen Perspektiven und Fähigkeiten für den Lösungs- und Lernprozess nutzbar machen?
  • Wie können wir Zeit besser nutzen?
  • Wie können wir Beratungssysteme (= Klienten-Berater-System) gestalten, die zu tiefen gemeinsamen Lern- und Erkenntnisprozessen führen?

Entstanden sind neue, unkonventionelle und vor allem co-kreative Workshop-Formate, die wir als Sprints oder Kreativsprints bezeichnen. Im folgenden möchte ich einige Prinzipien und Modelle skizzieren, die Grundlage dieser Formate bilden.

Warum? Wozu?

Wir glauben an mutige, co-kreative Formate – weil sie funktionieren: Bessere Ergebnisse in kürzerer Zeit.

Natürlich gilt diese Feststellung nicht generell, sondern nur unter bestimmten, bewusst gestalteten Kontextbedingungen. Wenn diese Bedingungen gut gewählt wurden (z.B. Aufgabenstellung, Teilnehmer/innen, Rollen, Ablauf und Methodik, Raum und Zeit…), geht in co-kreativen Sprintformaten so richtig die Post ab. Immer wieder haben uns Kunden bestätigt: „Wir hätten nie gedacht, dass solche Ergebnisse in so kurzer Zeit möglich sind.“

Folgende Hypothesen konnten wir in etlichen durchgeführten Sprints für uns verifizieren:

  • Ergebnisse: Bestimmte Problem- und Fragestellungen können in bewusst gestalteten co-kreativen Formaten wesentlich besser und nachhaltiger gelöst werden.
  • Vielfalt: Denk- und Arbeitsprozesse (= Kreativprozesse) in großen Gruppen leben von vielfältigen Talenten, Perspektiven und Inputs, die sich am Beginn häufig widersprechen.
  • Trust the process: Wenn man das Handwerk von (Groß)Gruppenprozessen beherrscht, emergiert die Kunst und Magie fast von selbst. Erfahrene Begleiter und Facilitator wissen dies und vertrauen auf die Prozesse, die dann entstehen.
  • Timeboxing: Zeitdruck kann unter gewissen Bedingungen die Effektivität und Effizienz von Teamprozessen sehr positiv beeinflussen.

Natürlich haben wir aber auch die Limits co-kreativer Formate erlebt und erkannt. Die größten Risiken bestehen in einer zu wenig sorgfältig vorbereiteten Fragestellung bzw. Zielsetzung, in einer zu wenig intensiven Vorbereitung (insbesondere auch gemeinsam mit dem Kunden oder Auftraggeber) und in Teilnehmer/innen, die für offene Co-Kreation noch nicht bereit sind.

Trotzdem: Die Vorteile und Nutzenpotenziale von Co-Kreation überwiegen für uns BEI WEITEM die Nachteile oder Risiken.

Wie?

Folgende Theorien und Ansätze fließen in die individuell gestalteten Co-Kreationsformate vor allem ein:

  • Systemtheorie / systemische Prinzipien und Haltungen: Wir versuchen zu verstehen, wie das jeweilige System funktionieren könnte, welche Probleme und Fragen wesentlich sind und welche Lösungspotenziale vorhanden sind. Auch die systemischen Leitprinzipien Achtsamkeit, Zugehörigkeit und Ordnung spielen in der Vorbereitung und Durchführung co-kreativer Sprints eine zentrale Rolle.
  • Art of Hosting: Vor vielen Jahren haben wir die ersten AoH Trainings besucht (bei AoH Vorarlberg). Das hat uns völlig neue Perspektiven eröffnet, wie (Groß)Gruppenprozesse gestaltet werden können, damit Lebendigkeit, gute Gespräche und substanzielle Ergebnisse und Erkenntnisse entstehen. AoH Haltungen, Prinzipien und Methoden sind für unsere Sprint-Formate essenziell.
  • Design Thinking: DT ist für uns Ausdruck einer neuen Innovationskultur, die wir in co-kreativen Sprints praktizieren und leben. Vor allem die Logik Human – Business – Technology (vgl. IDEO) und den double diamond (vgl. ThoughtWorks) wenden wir in den Workshops intensiv an. Vor allem der Austausch mit Dark Horse hat unser Denken über Design Thinking stark geprägt.
  • Agile / Agile Collaboration: Agile Verfahren gestalten bewusste (Lern)Scheifen (= Iterationen), um im gemeinsamen TUN zu funktionierenden Lösungen (= Prototypen, Minimum Viable Products) zu kommen. Iterative Schleifen und agile Teamwork sind wichtige Aspekte in co-kreativen Prozessen. Entscheidend ist die gemeinsame Grundhaltung: Let’s DELIVER.

Was?

Welche Themen eignen sich für co-kreative Sprints?

  • Leitbild / Strategie
  • Digital Strategie / Digitale Innovation
  • Branding / Marketing / Sales / Kommunikation
  • Collaboration Systems (Anwendungsfälle)
  • Innovation / Produktentwicklung

Fazit: Co-Creation rocks!

Eindrücke / Beispiele

 

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