Die Zukunft gehört der Co-Creation. Fokussierte Gelassenheit.

Komplexe Probleme kann man nicht delegieren. Auch nicht an Profis, die sich den ganzen Tag mit derartigen Problemen beschäftigen. Warum? Im Unterschied zu einfachen oder komplizierten Problemen sind komplexe Herausforderungen immer kontextabhängig, dynamisch und nicht gänzlich rational verstehbar. Gute Ideen, Talent und mutiges Handeln sind gefordert.

Deshalb müssen wir umdenken. Grundlegend umdenken. Die Vorgehensweisen des relativ stabilen 20. Jahrhunderts funktionieren im 21. Jahrhundert immer weniger.

  • Weniger Spezialistentum – mehr Teamwork.
  • Weniger rezepthafte Lösungen – mehr kreative Lern- und Lösungsprozesse.
  • Weniger Einzelarbeit – mehr Großgruppen.
  • Weniger Steuerung – mehr Führung.
  • Weniger Delegation – mehr Ownership.
  • Weniger Regeln – mehr Prinzipien und Frameworks.
  • Weniger Ratio – mehr Intuition.
  • Weniger Konzepte – mehr Theorie.

Im Folgenden Beitrag möchte ich einige Erfahrungswerte der letzten Jahre teilen – am aktuellen Beispiel des Kreativsprints „51. Bregenzerwälder Bezirksmusikfest“, den wir gestern mit dem Musikverein Buch durchgeführt haben. 

Denken und Handeln unter Zeitdruck.
Gemeinsam unter Strom.

Es ist ein Denkfehler, dass Kreativität und gute Ergebnisse immer viel Zeit brauchen. Bewusst aufgebauter Zeitdruck kann auch heilsam sein. Entscheidungen müssen getroffen werden. Die Entscheidung kann aber auch sein, dass man jetzt nicht entscheiden will oder den Workshop ganz abbricht.

Wichtig ist: HANDELN. Auf der Grundlage guter Gespräche, bewusster Vorbereitung und gestützt durch stabile Theorie.

Wie gehen wir vor?

  • Problem: Eignet sich das Problem / die Aufgabenstellung für einen co-kreativen Sprint? Ist die Aufgabenstellung an einem Tag machbar?
  • Team: Welche Kompetenzen und Funktionen braucht es, um das Problem konstruktiv zu bearbeiten? In komplexen Fragestellungen ist entscheidend, WER eingeladen wird, mitzuwirken. Natürlich müssen es Mitglieder und Führungskräfte der jeweiligen Organisation sein UND externe Mitdenker/innen und Mitarbeiter/innen.
  • Vorbereitung und Rahmen: Co-kreative Formate sind darauf ausgelegt, soziale Komplexität aufzubauen. Dies erfordert eine gute und bewusste Vorbereitung und einen stabilen inhaltlichen und räumlichen Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens können dann kreative Lösungen emergieren.
  • Moderation und Führung: Co-Kreation erfordert eine professionelle Gastgeberschaft. Es braucht Wissen, Können und Erfahrung in der Führung dynamischer Gruppenprozesse. „The Art of Hosting“ muss man trainieren – immer und immer wieder. Nur so kann man besser werden. Am besten gemeinsam („never host alone“).
  • Theorie: Schöpferisches Denken und Handeln in Großgruppen (> 20 Personen) ist anspruchsvoll. Die Gastgeber/innen benötigen ein gutes theoretisches Fundament und müssen sich bewusst sein, was sie tun. Wir setzen vor allem auf folgende Ansätze und Theorien: Systemtheorie, systemische Prinzipien und Ansätze, Art of Hosting, Design Thinking, Agile Prinzipien und Frameworks.

Aktuelles Beispiel:
Kreativsprint Musikverein Buch

Vor zwei Jahren haben wir mit dem MV Egg einen Kreativsprint zum 50. Bregenzerwälder Bezirksmusikfest durchgeführt. Das Format hat super funktioniert – der Grundstein für ein denkwürdiges Fest wurde gelegt.

Die 51. Durchführung dieses traditionsreichen Blasmusikfestes wird vom Musikverein Buch durchgeführt. Buch ist eine kleine Gemeinde mit knapp 600 Einwohner/innen. Die Vertreter/innen des Musikvereins sind auf uns zugekommen, ob wir uns vorstellen können, das Format mit ihnen auch durchzuführen? Trotz aktuell hoher Arbeitsbelastung haben wir uns bereit erklärt – denn wir fühlen uns auch geehrt, an einem solchen Vorhaben einen kleinen (ehrenamtlichen) Beitrag leisten zu dürfen.

Um es kurz zu machen: Der gestrige Kreativsprint mit dem MV Buch war wieder ein emotionales und inhaltliches Highlight. Viele waren im Vorfeld ungläubig, dass wir in einer recht großen Gruppe (23 Personen) in nur einem Tag das definierte Arbeitsprogramm bewältigen können. Aber es ist gelungen, wie ich finde.

Hier gibt’s einen ersten Einblick in das Ergebnis des gestrigen Kreativsprints:

Wie wir das Ganze angegangen sind, können Sie in diesem Blogbeitrag nachlesen.

Fazit: Fokussierte Gelassenheit

Wenn ich in kurzen Worten zusammen fassen müsste, was ich in den ganzen co-kreativen Formaten mit Kunden und Partnern in den letzten Jahren gelernt habe, würde ich es wohl auf die Formel „fokussierte Gelassenheit“ herunter brechen. Was meine ich damit?

  • Fokus: Wenn viele Menschen an 1-2 Tagen zusammen kommen, um gemeinsam an einem Problem zu arbeiten, soll etwas Nützliches und Gutes dabei heraus kommen. Dieser Verantwortung muss man sich bewusst sein. Entsprechend fokussiert und gewissenhaft gilt es, die Vorbereitung und auch die Durchführung anzugehen.
  • Gelassenheit: Gleichzeitig sollte man co-kreative Formate immer mit einer heiteren und gelassenen Grundhaltung angehen. Man kann nie ultimativ planen und schon gar nicht steuern, was in bunten, vielfältigen Gruppenprozessen passieren wird. Das einzige, was man tun kann ist, bei sich selbst und im Moment zu bleiben. Achtsames Beobachten und gutes Zuhören sind Grundvoraussetzung für gelingende Co-Kreation. Speziell die Gastgeber/innen sollten sich in dieser Haltung üben.
  • Spannungen: Fokussierte Gelassenheit beschreibt einen Widerspruch, eine Aporie. Das bewusste herstellen und konstruktive Nutzen von Polaritäten ist wahrscheinlich ein zentraler Punkt, worum es bei derartigen Formaten geht. So gesehen kann Co-Kreation als kleine Lebensschule betrachtet werden. Denn das, was in sehr komprimierter und intensiver Form in 1-2 Tagen passiert, erleben wir draußen im „richtigen Leben“ tagtäglich. Allerdings häufig mit dem Unterschied, dass wir Widersprüche im Alltag häufig nicht konstruktiv, sondern eher destruktiv behandeln.

Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich in diesem beruflichen Kontext in den letzten Jahren sammeln durfte. Und das tolle daran ist: Es gibt noch viel zu lernen – ich freue mich drauf.

Gemeinsam. Neue Wege. Gehen.

Stefan Hagen

 

 

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