Wir haben ein Bewertungsproblem. 5 konkrete Ansatzpunkte, wie wir damit besser umgehen können.

Durch das Internet haben wir neue Vernetzungsmöglichkeiten erschaffen, wie sie die Menschheit bislang noch nicht gekannt hat. Weltweit, gleichzeitig, grenzenlos. Neben den neuen Möglichkeiten des globaler Informations-, Waren- und Finanztransaktionen haben wir vor allem ein großes Problem geschaffen: Das Bewertungsproblem. Was ist damit gemeint? 

Relevanz- und Bewertungsproblem

Ich habe den Begriff von Prof. Peter Kruse übernommen. Er war einer der genialsten Denker zu Themen wie Organisation, Führung und auch Internet.

Beispiele des Bewertungsproblems im vernetzten Zeitalter:

  • „Wir ertrinken in Informationen und hungern nach Wissen.“ (John Naisbitt) Wir verbringen immer mehr Zeit mit eigentlich unnützen Informationen, E-Mails, Besprechungen etc.
  • Politiker/innen verbreiten – häufig emotional aufgeladen – falsche Informationen, die aber von großen Teilen der Bevölkerung unwidersprochen aufgenommen und verstärkt werden.
  • Wir verlieren in Organisationen und sozialen Systemen den Blick für das Wesentliche – das, worauf es eigentlich ankommt (Effektivität). Folglich beschäftigen wir uns mit zu vielen Themen (Effizienz).

Potenziale nicht vergeuden…

Prof. Kruse bezeichnete die neuen Möglichkeiten der (digitalen) Vernetzung als „Schatz“. Wir müssen aber lernen, mit diesem Schatz verantwortungsvoll umzugehen. In Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

4 Minuten, die sich lohnen:

Was können wir nun tun?

Fünf konkrete Anregungen, wie wir dem Bewertungsproblem entgegnen können:

  1. Klare und präzise Sprache: Wir sollten wieder achtsamer mit Begriffen und Sprache umgehen. Was sind Schlüsselbegriffe im jeweiligen Thema? Wie definieren wir diese Schlüsselbegriffe? Haben wir ein gemeinsames Verständnis von dem, was wir gerade gemeinsam behandeln oder besprechen?
  2. Aufmerksamkeit fokussieren: Manager/innen und Führungskräfte müssen lernen, wieder mehr zu beobachten, und die Aufmerksamkeit der Menschen in einer Organisation auf die wichtigen und wesentlichen Fragen und Themen zu lenken.
  3. Erkenntnisprozesse moderieren: Das Richtige, das Wesentliche oder das Sinnvolle ist in komplexen, dynamischen Zeiten (Stichwort VUCA) nicht immer offensichtlich. Umso mehr müssen wir gemeinsame, co-kreative Erkenntnisprozesse professionell moderieren.
  4. Hart zur Sache, fair zur Person: Wir sollten Aussagen und Informationen wieder kritischer auf ihre Validität hinterfragen und gleichzeitig die Menschen, von denen diese Informationen stammen, mit Respekt und Wertschätzung behandeln. Vor allem dann, wenn sich die anderen Standpunkte grundlegend vom eigenen Standpunkt unterscheiden.
  5. Die eigene Haltung hinterfragen: Der vielleicht wichtigste Punkt: Wir sollten stets bei uns selbst beginnen und unser eigenes Denken und unsere Sicht auf die Welt hinterfragen. Wir müssen die mentale und kognitive Fähigkeit entwickeln, zwischen dem Modus der neugierigen Offenheit und der entschlossenen Position zu wechseln. Dies ist vor allem eine Fähigkeit, die Führungskräfte in Organisationen erlernen und trainieren müssen. Denn sie sind es, die in Unternehmen wesentlich für die Funktion der Bewertung zuständig sind.

Natürlich darf der differenzierte Umgang mit Informationen und Wissen nicht beim Denken enden, sondern er muss vielmehr dort beginnen. Denn aus Haltung wird Verhalten, und vor allem hier gilt es, die Zeit und Energie auf jene Punkte zu konzentrieren, die im Verhältnis wichtiger, relevanter und nützlicher sind. Dies erfordert einen fortlaufenden Reflexions- und Lernprozess. Aber es macht Sinn.

Stefan Hagen

 

 

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